Wollverarbeitung in der Antike - Altes Schloss Tübingen

Der Sonntagsausflug führt uns heute in Alte Schloss nach Tübingen.

im dortigen Museum ist ein kleiner Teil der Ausstellung der Wollverarbeitung in der Antike gewidmet. Man sieht dort Spindeln, Webgewichte, Spinnwirtel und kleine Nachbauten von Webrahmen.

Interessant ist der Auszug von Aristophanes Lysistrate (Quelle:http://gutenberg.spiegel.de/buch/lysistrate-1344/3)

Ratsherr: Wie getrauet doch ihr euch imstande zu sein, die krausen, verwickelten Händel
Zu entwirren, zu schlichten, in Hellas umher?

Lysistrate:                                                             Sehr einfach!
Ratsherr:                                                                                     Und wie denn? Laß hören!
Lysistrate: Sieh, wie wir beim Spinnen verworrenes Werg so rehmen und sacht auseinander
Und zurecht mit der Spindel die Fäden ziehn, den 'rüber, den andern hinüber,
So gedenken wir auch durch Gesandte den Krieg zu entwirren, mit eurer Erlaubnis,
Und zurecht zu legen die Fäden des Knäuls, den 'rüber, den andern hinüber.

Ratsherr: Wie die Wolle beim Spinnen, wie Hanf und Werg zu behandeln gedenkt ihr Vermeß'nen
Die politischen Fragen – zu lösen wohl gar? O des Unsinns!

Lysistrate:                                                                                     Wärt ihr bei Sinnen,
So behandeltet ihr die Geschäfte des Staats akkurat wie wir Frauen die Wolle!

Ratsherr: So erkläre doch, wie?
Lysistrate:                                   Wie die Wolle vom Kot und vom Schmutz in der Wäsche man säubert,
So müßt ihr dem Staate von Schurken das Fell reinklopfen, ablesen die Bollen:

Was zusammen sich klumpt und zum Filz sich verstrickt – Klubmänner, für Ämterbesetzung
Miteinander verschworen – kardätschet sie durch und zerzupfet die äußersten Spitzen,
Dann krempelt die Bürger zusammen hinein in den Korb patriotischer Eintracht
Und mischt großherzig Insassen dazu, Verbündete, Freunde des Landes;
Auch die Schuldner des Staats, man verschmähe sie nicht und vermenge auch sie mit dem Ganzen!
Und die Städte, bei Gott, die als Töchter der Stadt in der Ferne sich Sitze gegründet,
Übersehet sie nicht: denn sie liegen herum, wie zerstreute, vereinzelte Flocken.
Lest alle zusammen von nah und fern, aufschichtet sie hier und verflechtet
Die Wocken und wickelt ein Ganzes daraus und verspinnt es zu einem gewalt'gen
Garnknäuel! Aus diesem dann webet vereint für das Volk einen wollenen Mantel!

Ratsherr: Was die Weiber da krempeln und klopfen drauf los und spinnen und winden und weben!
Euch ficht doch der Krieg im geringsten nicht an!

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